asyl bild FotoliaIn unserem letzten Newsletter hatten wir bereits das Flüchtlingsthema aufgegriffen und überblicksartig einige europäische Instrumente vorgestellt, die sich der aktuellen Herausforderung insbesondere durch Akuthilfe und Krisenreaktion annehmen.

In der vorliegenden Ausgabe wollen wir einige Ansatzpunkte zur konkreten und operativen Umsetzung von Integrationsmaßnahmen in der Mitte der Gesellschaft geben und auf Zugänge für zivilgesellschaftliche Akteure und Möglichkeiten der Entwicklung integrativer Maßnahmen aufmerksam machen.

Bereits im letzten AMIF Call ist deutlich geworden - der Trend geht vorläufig zurück zur Erstintegration – und hier vor allem Spracherwerb. Maßnahmenbereiche, die 2014 bereits Bestandteil des Calls gewesen sind, dazu gehören Themen wie Chancengleichheit, Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Interkulturelle Öffnung, wurden zunächst zurückgestellt. Möglicherweise kam es zu einer kurzzeitigen Umwidmung des Budgets zu Gunsten der Akut- und Krisenhilfe, so dass weniger Mittel für die Umsetzung anderer Projekte in gewohntem Umfang und Tiefe zur Verfügung standen. Dass schließlich nur der Maßnahmenbereich der Erstintegration verblieb spricht eine deutliche Sprache. Die EU hat das Budget des AMIF für 2016 deutlich aufgestockt. Der Fokus auf Erstintegration ist aber auch eine logische Konsequenz aus der Tatsache, dass sich plötzlich in ungewohnt großer Zahl Menschen mit unterschiedlicher Sprache und Kultur begegnen und so Umgangsformen gefunden werden müssen. Zwar kann man argumentieren, die momentane Entwicklung sei vorhersehbar gewesen, am Ende bleibt eine Migrationsbewegung wie wir sie momentan vorfinden auf individueller Ebene ein ungeplantes und schlecht vorbereitetes Ereignis. Dies trifft sowohl für die Geflüchteten zu, die ihre Heimat in vielen Fällen gewissermaßen unfreiwillig verlassen, als auch auf die Aufnahmegesellschaften, die überrascht sind von der Geschwindigkeit, mit der sich geografisch weit entfernte Konflikte auf das gesellschaftliche Leben in Europa auswirken.

Im Fall AMIF bedeutet dies - gefördert wird der Aufbau von Kapazitäten zur Migrationsberatung und für Integrationskurse. Dazu gehört die Bedarfsanalyse, die Entwicklung und Erprobung von Konzepten des regionalen Integrationsmanagements, die Vernetzung von Erstanlaufstellen und Ergänzungsangebote zu Integrationskursen, insbesondere zum nachhaltigen Spracherwerb.

Während von den Geflüchteten erwartet wird, sich dem Lebensalltag eines neuen Landes anzupassen, Werte und Regeln des Zusammenlebens, sowie dessen Sprache zu lernen, besteht auf Seiten der Akteure der Aufnahmegesellschaft wiederum die Notwendigkeit für Schulungen zum Kompetenzerwerb in der Flüchtlingsarbeit. Schaut man auf die Flüchtlingsarbeit in Deutschland wird deutlich, dass es häufig nicht nur an Personal fehlte, sondern auch, dass vorhandenes Personal teils unvorbereitet von der neuen Dimension und den sich daraus ergebenden Herausforderungen überrascht wurde. Hier besteht eben nicht nur quantitativer, sondern auch qualitativer Bedarf in der Arbeit mit Geflüchteten. Beispielsweise bietet das BAMF aktuell Qualifizierungsangebote für Ausländerbehörden an und es ist zu erwarten, dass sich dieser Fokus auf Kompetenzentwicklung in der nächsten Antragsrunde wiederfinden wird.

Allerdings lohnt es sich, auch in anderen europäischen Programmen nach Möglichkeiten zur Arbeit mit Geflüchteten zu schauen, selbst, wenn diese nicht explizit auf dieses Thema ausgerichtet sind. An dieser Stelle seien beispielhaft die Aktionsprogramme Erasmus+ und Kreatives Europa erwähnt. Ersteres zielt, in Übereinstimmung mit der Paris-Deklaration der Bildungsministerkonferenz vom 17. März 2015, mit einer Erweiterung seines Programmleitfadens verstärkt auf soziale Inklusion ab. Entsprechend gefragt sind in der aktuellen Antragsrunde Projekte, die soziale, staatsbürgerliche und interkulturelle Kompetenzen, sowie Medienkompetenz vermitteln. Explizit richtet man sich hier an Projekte, die Geflüchtete einbeziehen und/ oder die das Thema der Flüchtlingskrise in Europa berücksichtigen.
Der Trend, nicht nur einseitig Angebote für eine Zielgruppe zu schaffen, sondern gezielt Sensibilisierung und Kompetenzvermittlung auf Seiten der Anbieter von Lehrangeboten zu fördern, findet sich auch in Erasmus+ wieder. Lehrkräfte sollen durch geförderte Projekte die Möglichkeit erhalten, Kompetenzen zu erwerben, die auf die Bedürfnisse benachteiligter Gruppen abgestimmt sind. Darüber hinaus soll der Versuch unternommen werden, Projektergebnisse über den Kreis der beteiligten Personen hinaus zu verbreiten um so einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten und die Bedürfnisse von Geflüchteten zu adressieren und Aufmerksamkeit für die allgemeine Situation von Geflüchteten zu erzielen.

Das Beispiel Erasmus+ zeigt damit sehr gut, dass sich das Thema Flüchtlingsarbeit immer mehr als eine Art Querschnittsthema in der Politik der Europäischen Union und damit auch seiner Förderprogramme etabliert. Zudem wird deutlich, dass in der Flüchtlingsarbeit nicht starr in eine Richtung gedacht werden kann - nämlich schlicht und allein als Angebot für Geflüchtete - sondern, dass in Zukunft vermehrt Projekte gefragt sein werden, die sich genauso an Personen wenden, die nach Orientierung in diesem Arbeitsfeld suchen und ein besonderes Interesse an Möglichkeiten zum spezifischen Kompetenzerwerb haben.

Für Öffentliches Interesse und gegenseitiges Verständnis zu werben, hat sich das Programm Kreatives Europa mit seinem derzeit laufenden Call „Projekte zur Integration von Flüchtlingen/Refugee Integration Projects 2016“ auf die Fahnen geschrieben. Der Aufruf verfolgt das Ziel, durch der Unterstützung von Projekten kultureller und/oder audiovisueller Natur, die Integration von Flüchtlingen in Europa zu erleichtern. Zentrale Bedeutung kommt der Förderung von gegenseitigem kulturellen Verständnis, der Vertiefung interkultureller und interreligiöser Dialoge sowie dem Einfordern von Toleranz und Respekt im Hinblick auf andere Kulturen zu.

Der dritte Teil zur Arbeit mit Geflüchteten erscheint in der nächsten Newsletterausgabe in zwei Wochen. Dann informieren wir über die Möglichkeiten der Flüchtlings- und Integrationsarbeit auf lokaler Ebene im Rahmen von ESF-Projekten.

Tags: Fördermittel, AMIF Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) Integration von Flüchtlingen Qualifizierungsmaßnahmen für Personal im Bereich der Arbeit mit Flüchtlingen Querschnittsthema Flüchtlingsintegration