interreg RGB1Die "Europäische Territoriale Zusammenarbeit (ETZ)“ oder auch besser bekannt als INTERREG ist ein EU-Förderinstrument der europäischen Kohäsionspolitik. Es existiert seit 1990 und erfährt in der laufenden Förderperiode 2014-2020 seine fünfte Auflage. Die im Rahmen von INTERREG V Programmen zur Verfügung stehenden Fördergelder entstammen daher in Regel auch aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Zählen jedoch Beitrittskandidaten oder Länder der Östlichen Partnerschaft(EaP) bzw. der Mittelmeerunion (EUROMED) zum Programmgebiet der INTERREG V Programme so beziehen Akteure aus diesen Ländern Fördermittel entweder aus dem Instrument für Heranführungshilfe (IPA) oder dem Europäischen Nachbarschaftsinstrument (ENI). Nehmen die Schweiz, Island, Norwegen oder vergleichbare europäische Staaten an einem INTERREG V Programm teil, so werden Akteure aus diesen Ländern aus mit dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) vergleichbaren national spezifischen Förderinstrumenten finanziell unterstützt (z.B. aus dem Norwegischen nationalen Fond).


Als Teil der europäischen Kohäsionspolitik dient es der europaweiten Förderung transnationaler Kooperationen zwischen Regionen und Städten. In diesem Sinne werden im Rahmen der INTERREG V Programme Projekte gefördert, die beispielsweise darauf abzielen die Verkehrsinfrastruktur, den Arbeitsmarkt und den Umweltschutz grenzüberschreitend zu verbessern. Die Verwaltung und Durchführung der INTERREG V Programme ist weder zentral auf europäischer Ebene - bei Generaldirektionen der Europäischen Kommission bzw. von denen beauftragten Exekutivagenturen - angesiedelt, noch auf nationaler oder regionaler Ebene bei Bundes- oder Landesministerien, sondern bei den sogenannten Gemeinsamen Technischen Sekretariaten (GTS), heute oftmals auch nur noch Gemeinsame Sekretariate (GS) genannt. Diese haben ihren Sitz in einer Stadt, die im jeweiligen INTERREG V Programmgebiet liegt. Zum Beispiel befindet sich das Gemeinsame Sekretariat des INTERREG VB Ostseeraum Programms (Baltic Sea Region Programm) in Rostock und Riga. Zusätzlich zu diesen Gemeinsamen Sekretariaten gibt es nationale Kontaktpunkte, wie z.B der Kontaktpunkt Mecklenburg-Vorpommern in Greifswald für das INTERREG VA Programm Südliche Ostsee (South Baltic Programm).

Die Geschichtliche Entwicklung der Interreg-Förderprogramme

INTERREG Tabelle
Wie bei nationalen oder regionalen EFRE oder Europäischen Sozialfonds (ESF) Programmen liegt auch jedem INTERREG Programm ein sogenanntes Operationelles Programm zu Grunde. Dieses wird von Vertretern nationaler und regionaler Behörden zusammen mit Kommunen, Wirtschafts- und Sozialpartnern sowie NGOs aus den betreffenden Grenzregionen oder transnationalen Kooperationsräumen erarbeitet und anschließend von der Europäischen Kommission genehmigt. In den Operationellen Programmen ist festgelegt, wie groß das Budget des jeweiligen INTERREG V Programms für den Förderzeitraum 2014-2020 ist, welche Förderschwerpunkte es gibt, wer überhaupt Anträge stellen kann, welche Regionen zusammen die entsprechenden Programmgebiete bilden, wer Leadpartner sein kann und wie die Auswahlverfahren zwecks Projektförderung aussehen. Alle anderen Programmdokumente, wie die Programmleifäden (Manuals) oder späteren Call/ Aufruf-Schreiben bauen auf den Operationellen Programmen der INTERREG V Programme auf.

Programme der europäischen territorialen Zusammenarbeit (ETZ), kurz INTERREG genannt, lassen sich gemäß ihrer geografischen Verortung und Ausdehnung sowie bezogen auf ihre Schwerpunktbereiche drei Typen zuordnen. INTERREG VA Programme (Typ I) decken kleine grenznahe Räume ab und fördern die vertiefte Zusammenarbeit über ländergrenzen hinweg in wirtschaftlichen und sozialen Bereichen. Im Rahmen von INTERREG VA Programmen gibt es klein Projektefonds, die von Euroregionen verwaltet werden. Die Euroregion Pomerania, die solche eine Aufgabe im Rahmen des INTERREG VA Programms Mecklenburg-Vorpommern / Brandenburg - Polen übernimmt, ist hierfür ein gutes Beispiel. Vom klein Projektefond geförderte Projekte verfügen über einen Kostenrahmen zwischen 25.000 € und 50.000 €. INTERREG VB Programme (Typ II) im Vergleich umfassen die wesentlich größeren transnationalen Räume, wie die Donau- oder die Nordseeregion. Ziel ist also die Stärkung der Kooperationen zwischen kommunalen, regionalen und nationalen Partnern in den transnationalen Kooperationsräumen. INTERREG VC Programme (Typ III) beziehen alle 28 EU-Mitgliedstaaten, die Schweiz und Norwegen mit ein. Zudem haben sie zum Ziel die Wirkung und den Verbreitungsgrad bestehender EU-Förderinstrumente für regionale Entwicklung und Kohäsion zu verbessern. Mittels Austausch von Erfahrungen und Wissen im Rahmen interregionaler Zusammenarbeit und von Kooperationsnetzen soll es zum sogenannten Policy-Learning kommen. Neben INTERREG Europe gibt es hier noch die Programme Urbact III, Interact III und ESPON. Letztere dienen dem Aufbau von Netzwerken beispielsweise zwischen europäischen Städten. Deutschland nimmt an 13 von 60 europaweit existierenden INTERREG VA Programmen teil. Bei 6 der 15 transnationalen INTERREG VB Programme gehören deutsche Bundesländer zu den Programmgebieten. Bayern und Baden-Württemberg sind an den meisten INTERREG VA und VB Programmen beteiligt.

Bei der Entwicklung von Projekten und der Antragstellung sind bei INTERREG V Programmen die makroregionalen Strategien der EU (EUMRS) zu berücksichtigen. Von den 4 makroregionalen Strategien, die die EU und ihre Mitgliedstaaten bisher entwickelt haben, sind für potentielle Antragsteller aus Deutschland und Österreich die folgenden drei relevant. Die erste ist die EU Strategie für die Ostseeregion (EUSBSR), die bei allen INTERREG VA und VB Programmen zu berücksichtigen ist, die im Ostseeraum angesiedelt sind. Die zweite ist die EU Strategie für die Donauregion (EUSDR), die bei Programmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zum Tragen kommt, die mit dem Donauraum zu tun haben. Bei der dritten handelt es sich um die EU Strategie für die Alpenregion (EUSALP), die beispielsweise beim INTERREG VB Alpenraumprogramm eine wichtige Rolle spielt. Gerade bei transnationalen INTERREG V Programmen gibt es Förderprioritäten, die unmittelbaren Bezug auf die jeweiligen makroregionalen Strategien nehmen. Zudem eröffnen letztere Antragstellern die Möglichkeit ihren Antrag mit einem sogenannten „Flaggschiffstatus“ bei den INTERREG VB Programmen einzureichen. Dieser wird Projektanträgen verliehen, denen eine besonders innovative Projektidee zu Grunde liegt und die zudem die Ziele der jeweiligen makroregionalen Strategie miteinbeziehen. Einen Projektantrag mit „Flaggschiffstatus“ bei einem INTERREG V Programm einzureichen, heißt nicht automatisch, dass man die Projektförderung erhält, jedoch kann es die Chancen darauf erhöhen. Makroregionale Strategien decken eine größere Bandbreite an Förderschwerpunkten transnationaler Kooperationen ab, als dies bei den INTERREG V Programmen der Fall ist, die ihrem Geltungsraum zugeordnet werden können. Die Förderpriorität, auf die sich die Projektidee bezieht und für die der „Flaggschiffstatus“ im Rahmen der EUMRS verliehen wurde, muss also deckungsgleich mit einer der Förderschwerpunkte des INTERREG V Programms sein.

Weiterführende Informationen hierzu, die auf die einzelnen INTERREG V Programme detaillierter eingehen, erhalten Sie durch unser INTERREG V Programm Dossier. Dieses ist im Online Job von EuroConsults erhältlich.

Weiterführend Informationen hier:

INTERREG V Programme

Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)

Instrument für die Heranführungshilfe (IPA)

Europäisches Nachbarschaftsinstrument (ENI)

Mittelmeerunion (EUROMED)

Östliche Partnerschaft (EaP)


INTERREG VC Programme

INTERREG Europe

Urbact III

Interact III

ESPON


Makroregionale Strategien der EU

EU Strategie für die Ostseeregion (EUSBSR)

EU Strategie für die Donauregion (EUSDR)

EU Strategie für die Alpenregion (EUSALP)


INTERREG VA Programme

INTERREG VA Mecklenburg-Vorpommern/ Brandenburg-Polen

INTERREG VA Südliche Ostsee (South Baltic Region)

Euroregion Pomerania







 

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