horizon2020 510x640pxHorizont 2020 ist das bisher größte EU-Programm für Forschung und Innovation. Das KMU Instrument ist eine Förderlinie von Horizont 2020 und zwecks Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) geschaffen. Mit ihm will die EU die Leitinitiative Innovationsunion umsetzen und die Kernziele der Europa 2020 Strategie, wie z.B. 3% des BIP der EU für Forschung und Entwicklung aufzuwenden, erreichen.

Für den Förderzeitraum 2014-2020 stehen dem KMU Instrument aus den Säulen zwei und drei von Horizont 2020 in etwa drei Milliarden €uro an Fördermitteln zur Verfügung. Im Vergleich zu den anderen Förderlinien von Horizont 2020 ist das KMU Instrument nicht für die Forschungsförderung ausgelegt, sondern dient der Etablierung von KMUs. Daher stellt das Instrument auch eine neue Art von europäischer Förderung dar.

 
Die Förderung im Rahmen des KMU Instruments gliedert sich in drei Phasen:

  • In Phase I erfolgt eine Machbarkeits- oder Durchführbarkeitsstudie, die rund sechs Monate dauert und man erhält eine Förderpauschale von 50.000 Euro. Unterstütz werden Aktivitäten bezogen auf die technologische und wirtschaftliche Machbarkeit, die Risikoanalyse, das IP Management und ggf. die Partnersuche. Die Antragsteller müssen einen Geschäftsplan einreichen, der die Projektidee/ das Konzept nachvollziehbar beschreibt und ein Technology Readiness Level (TRL) 6 erreicht. Von Juroren wird sowohl das kommerzielle Potenzial der Idee als auch die ökonomische Realisierbarkeit in Hinblick auf bestimmte Zielmärkte bewertet.

  • Phase II ist die sogenannte Entwicklungsphase: In ihr werden marktnahe Aktivitäten wie die Entwicklung, die Demonstration, Tests, Prototypenbau, die Pilotierung, das Design, die Markreplikation, das Scaling Up und die Miniaturisierung gefördert. Der Fördermittelzuschuss beträgt zwischen 0,5 und 2,5 Millionen Euro. Der Geschäftsplan, der vorausgesetzt wird, umfasst ca. 30 Seiten und muss eine detaillierte Kommerzialisierungsstrategie enthalten. Das Ziel dieser Phase II ist die Entwicklung von neuen Produkten, Verfahren und Dienstleistungen, die ausgearbeitet und reif für den Markt sind.

  • Während der Phase III erhält der Begünstigte Unterstützung durch Fortbildungen, Informationen u.a. zu geistigem Eigentums-Management und Wissensaustausch. Begünstigte erhalten zusätzlich Business Innovation Coachings und Mentoring (Betreuung) durch das Enterprise Europe Network. Die Coaches sind in einer zentralen Datenbank erfasst und verfügen über eine langjährige Business Erfahrung und umfangreiche Kenntnisse. Am Ende dieser Phase soll die Markteinführung von neuen innovativen Lösungen, der Zugang zu privatem Kapital und Risikokapital sowie die Akquise der ersten Kunden stehen.

Das Instrument wird von der Exekutivagentur für kleine und mittlere Unternehmen (EASME) verwaltet. Die Themen und Schwerpunkte sind in den sogenannten „Arbeitsprogrammen/ Work Programmes (EN)“ aufgeführt, die für einen Zeitraum von zwei Jahren gelten. Im Laufe eines Jahres können die Anträge jederzeit eingereicht werden. Die Begutachtung der eingereichten Anträge erfolgt viermal im Jahr. Im Gegensatz zu den anderen Förderlinien von Horizont 2020, verfolgt das KMU Instrument einen Botton-up Ansatz und nicht einen Top-Down Ansatz. Das ermöglicht den Antragstellern einen größeren Spielraum, um Produkte und Dienstleistungen im Rahmen der unterschiedlichen Calls zu entwickeln.

Darüber hinaus sollte sich der Antragssteller vor und während der Antragsstellung unbedingt an die Nationalen Kontaktstellen zum EU-Förderprogramm Horizont 2020 und das Enterprise Europe Network wenden. Die Nationalen Kontaktstellen (NKs) bestehen aus Experten der jeweiligen thematischen Bereiche. Sie beraten und unterstützen Antragsteller in Bezug auf Inhalte, Calls usw. in allen Phasen der Antragstellung und bei der Suche nach Projektpartnern. Das Enterprise Europe Network (EEN) ist ein europäisches Netzwerk, mit dem Ziel, Kooperationen, Technologietransfers und strategische Partnerschaften für KMU zu unterstützen. Die deutschen Partner im Enterprise Europe Network (EEN) in Deutschland helfen Unternehmen potentielle, internationale Geschäftspartner zu finden, KMU dabei neue Produkte zu entwickeln und Zugang zu europäischen Märkten zu erhalten. EENs beraten in Bezug auf geistiges Eigentum, Patente, Normen und europäische Rechtsvorschriften. Um Innovationen besser in kommerzielle Erfolge verwandeln zu können, stehen erfolgreichen Antragstellern im Rahmen des KMU-Instruments ergänzend „Coaching“- und „Mentoring“-Angebote zur Verfügung, die vom Enterprise Europe Network durchgeführt werden. In Phase I dauert das Coaching bis zu 3 Tage, in Phase II bis zu 12 Tage.

Ein paar Tipps zur Antragstellung: Für die Antragstellung ist die Frage nach dem Bestehen eines Marktpotenzial auf europäischer Ebene es­sen­ti­ell und ob durch die Umsetzung der Projektidee ein europäischer Mehrwert erzielt werden kann. Der Fokus des KMU Instrument liegt immer auf dem Etablieren von Geschäftsideen. Daher wird kein wissenschaftlicher Antrag erwartet, sondern die Einreichung eines Business Plans. Geben Sie also eine detaillierte Beschreibung der Projektidee ab, aus der die Historie hervorgeht und für die Juroren ersichtlich wird, dass bereits eine substanzielle Grundlage im Unternehmen vorhanden ist. Schließen Sie in ihre Überlegungen die Marktbegebenheiten, potentielle Wettbewerber und die Kunden mit ein, denn laut Juroren hat es in der Vergangenheit zahlreiche Misserfolge von Firmen gegeben, die dies nicht ausreichend bedacht haben. Es ist wichtig, dass Sie die Wettbewerbssituation richtig erfassen und in Ihrem Antrag entsprechend darstellen. Sein Sie präzise und beschreiben Sie ihre Ziele kurz und bündig. Für die Überprüfung und Bewertung eines Antrags in Phase I haben die Juroren*innen 80 Minuten Zeit. In Phase II sind es zwei Stunden. Die Aufgabe des Antragsstellers*in ist es, die Juroren von seiner/ ihrer Projektidee zu überzeugen. Vermeiden Sie daher auf jeden Fall unnötiges „Bla“ „Bla“. Von zentraler Bedeutung ist es, darzustellen, wie ihr Ansatz sich von den Lösungen der Mitbewerber abhebt und welchen Fortschritt er im Vergleich zu bestehenden (technologischen) Lösungen bedeutet. Sie müssen also den Unique Selling Point (USP) Ihres Lösungsansatzes herausstellen. Da die Erfolgsquote niedrig ist (10% ungefähr), machen Sie sich erst einmal darüber Gedanken, ob sich eine Antragstellung überhaupt lohnt und ob die erforderlichen Kapazitäten („Manpower“ und Zeitkapazitäten) in Ihrem Unternehmen vorhanden sind.

Um weiterführende Informationen zu erhalten, ist eine Teilnahme an den von der Nationalen Kontaktstelle KMU organisierten Werkstätten für die Antragstellung in Berlin (14.06.2016), Osnabrück (22.06.2016) und Erfurt (01.09.2016) zu empfehlen.

Viel Erfolg wünschen wir Ihnen!

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